WhatsApp-Dialog

WhatsApp-Dialog 28.11.2016 – 17.02.2017 (gekürzte Fassung)
Diese Verläufe werden immerzu ergänzt.
Sie sind maßgeblicher Teil der Entstehung und Umsetzung unserer Forschung. Die einfache Übermittlung der Zeichnungen als Fotos und das konzentrierte schriftliche Verfassen unserer Gedanken macht es möglich aus der Distanz zu Arbeiten.

28.11.16, 21:29:39: Heike Nowotnik: Hier noch mal ein paar schnelle Zeichnungen…

28.11.16, 22:32:46: Die muss ich unbedingt in echt sehen. Das Zweite, so scheint mir, ist im Ausdruck sehr von den anderen verschieden. Meine Güte! Wenn man doch die Sprache von Formen und Gesten in der Kunst so gut verstehen könnte wie man es bei der Sprache (in Worten) kann!

29.11.16, 00:25:44: Heike Nowotnik: Die Zweite ist auf einem anderen Untergrund, und ich steh auf diese Entstehung von Formen – irre – ich bin selbst erstaunt.

29.11.16, 00:30:13: Emanuela: Das sind alles Formen, die es noch nie gab. Sie vermitteln wahrscheinlich das Gefühl: hier hast DU etwas neu erschaffen, hast eine Form und damit eine Aussage in die Welt gesetzt, die es ohne Dich nicht gäbe. Ich schätze mal da ist ein Moment von Selbstvergewisserung enthalten. Oder nicht?

Ich lese grade den Satz:
„… doch alle diese Prozesse haben den Charakter der Unvorhersehbarkeit. (…) Wie weit wir abrücken, was jetzt noch dicht und unverbindlich ist? Welches Licht wird durch die Fugen zwischen den Standpunkten dringen? Von wo aus?“ (Roger Willemsen, der Knacks)

Ich finde das passt irgendwie zu Deinen Zeichnungen. Vielleicht nicht auf der logischen Ebene, aber auf der Ebene einer künstlerischen Einstellung.

30.11.16, 09:40:11: Emanuela: Liebe Heike, habe mir Deine Zeichnungen nochmal angeschaut. Manche wirken so auf mich, als ob die Form aus dem Dionysischen heraus „geboren“ wird. Ich befinde mich betrachtend außerdem in einem Dazwischen von Bildhaftigkeit und „Körperlichkeit“.

Manchmal denke ich, dass es grade eine Dimension der Kunst ist, einen neuen „Wirklichkeitsbereich“ zu schaffen, eine Welt, die ganz klar der Bildhaftigkeit zugehört, und dennoch einen Konkretionsgrad erreicht wie die gegenständliche Welt.

09.12.16, 16:34:05: Emanuela: Da ich grade Zeit habe, musste ich was ausprobieren. Ich wollte wissen, was es mit der Offenheit bzw. Geschlossenheit einer Form auf sich hat.

09.12.16, 16:42:43: Emanuela: Ich würde sagen: Deine Zeichnungen sind fragmentarisch, sofern sie sichtbar machen, dass sie aus der Bewegung herkommen, eine Bewegung, die einen Beginn hat – und davor ist eben nichts. Zwischen diesem Nichts und dem „Etwas“ beginnt oder endet die Form. Die Formen sind an einigen Stellen sozusagen offengelegt, „unfertig“, und sie zeigen dabei ihr Werden an. Aber wie ist es, wenn die Form abgeschlossen ist, wenn man als Betrachter nicht am Entstehungsprozess teilnehmen kann? Wie ist es, wenn die Bewegung, durch die sich eine Form herausbildet, nicht mehr offenkundig ist? Erscheint dann eine „heile Welt“, die dem Seinsgefühl widerstrebt? Wehrt sich innerlich etwas gegen die Geschlossenheit, die Stabilität proklamiert?

10.12.16, 22:33:51: Emanuela: Irgendwie bin ich auf der Suche nach dem, was Formsprache ist. Was sagt eine Form?

10.12.16, 22:39:26: Heike Nowotnik: Morgen zeichne ich und schicke dir meine Resultate!

10.12.16, 22:48:29: Emanuela: Wohin mich diese Zeichnungen führen, weiß ich noch gar nicht… aber es ist schön, sie zu kreieren und macht einfach Freude.

10.12.1

12.12.16, 11:26:05: Emanuela: Ein vierter Versuch scheint das Ende dieser Serie zu sein, und zwar aufgrund folgender Skepsis: ob das nicht zu schattenhaft ist. Ich meine diese Zeichnungen sehen so aus, als seien sie ein Schatten vom Eigentlichen.

 

Auch frage ich mich ob sie mir zu steril sind. Zum Beispiel im Vergleich zu dieser Zeichnung, die ich grade beim Durchblättern fand… ich habe daran unzählige Stunden gerungen und das macht etwas mit dem Stück Papier und dem Ort (Ort des Zeichnens). Alles was sich ereignet, ereignet sich an einem Ort und verändert diesen.

12.12.16, 21:51:05: Heike Nowotnik: Kann Form auch etwas ’sagen‘, was NUR Form sagen kann?

12.12.16, 21:51:05: Heike Nowotnik: Zu den zwei roten Bildern und dem Text unter dem ersten Bild: Es gibt die weißen Formen, die durch die roten Flaechen entstanden sind. Die Entstehung der gezeichneten roten Flaeche ist bei genauem Hinschauen zu erahnen – anhand der Strichfuehrung – wobei die weißen Flaechen eher so wirken als waeren sie eine ‚Verdichtung‘.

12.12.16, 21:51:05: Heike Nowotnik: Ich habs auch mal probiert und mir faellt es schwer mich auf die weißen Flaechen zu konzentrieren, die entstehen. Ich bin doch mehr mit dem Zeichnen und der Gestaltung, der Zeichenflaeche beschaeftigt.

13.12.2

12.12.16, 22:43:07: Emanuela: Deine Frage, ob das, was eine Form sagt, nur durch Form gesagt werden kann, ist sehr gut. Darüber muss ich nachdenken.

Und ja, genau! Das Weiß wird immer mehr komprimiert. Ich habe bei einer Zeichnung das Problem gehabt, dass das Weiß fast verschwunden ist, dass ich große Mühe hatte, nicht einfach das Ganze vollzuzeichnen, so, dass alle Form beinahe verschwunden wäre.

12.12.16, 22:53:59: Emanuela: Welche Rolle spielt bei Dir die Art der Strichführung? Ist sie mitverantwortlich für die Form? Und wie gehst Du vor: machst Du eine grob skizzierte Gesamtanlage oder arbeitest Du Dich langsam vor, indem Du jede Fläche sozusagen dicht ausarbeitest? Wie stark verändern sich die Formen während des Prozesses? Auf welche Weise suchst Du die Form: ist es eher so, dass erst eine Linie da ist, die immer mehr zur Fläche wird?

12.12.16, 23:01:00: Emanuela: Also ich sehe die Form der Zwischenräume auch. Mein Problem ist eher, dass ich die Aussagekraft der Form nicht halten kann. Die Formsprache entgleitet mir immer in Richtung Verstummen.

12.12.16, 23:02:43: Heike Nowotnik: Was meinst Du? Dass es eher zu flaechig wird? Das ist eine einfache Erkenntnis von mir gewesen: Form versus Fläche

12.12.16, 23:06:33: Emanuela: „Form versus Fläche“ das kann ich nicht richtig mitdenken, denn Fläche ist ja geformt (es sei denn es ist ein All-Over).

12.12.16, 23:07:43: Heike Nowotnik: Ich hab so begonnen wie bei den ersten Zeichnungen. Recht schnelle lange Striche und dadurch gibt es halt diese Grundlage. Dann verdichte ich und gehe wieder an eine andere Stelle auf dem Blatt und mache das selbe. Im Laufe der Zeit ueberzeichne ich immer wieder, damit diese Striche und Richtungen nicht so dominant werden. So sind diese Verdunkelungen entstanden. Ich hab noch andere Sachen entdeckt, doch dann denke ich wieder, da ist schon wieder zu viel Wille zur Gestaltung

12.12.16, 23:10:05: Emanuela: Ganz recht: man will keinen Willen in die Form hineinfließen lassen. Man will ein reines Ereignis, aus dem sich die Form ergibt.

12.12.16, 23:11:55: Heike Nowotnik: Dann fand ich die Formen wieder so langweilig.

12.12.16, 23:13:49: Emanuela: das habe ich auch überlegt: warum kann eine Form überhaupt langweilig werden? Tatsache ist: man findet sie oft langweilig. Aber ich frage mich wirklich, ob man anders blicken sollte, sodass alles interessant wird. Und natürlich den Anspruch, dass eine Form interessant sein soll LOSLASSEN. Denn das ist ja auch eine Art des Gestaltenwollens – oder etwa nicht?

14.12.16, 09:21:44: Heike Nowotnik: Hi Emanuela ich hab deinen Text erhalten und fuege heute Nachmittag mal die Fotos ein. Ansonsten koennten wir den Text auch in eine Dropbox machen. Da liegt es dann immer zum Bearbeiten bereit – aktuell.

14.12.16, 09:43:37: Emanuela: Liebe Heike! Deine neue Zeichnung gefällt mir außerordentlich gut! Die letzte Stufe der Ausarbeitung schafft eine Klärung der Form, aber auch eine sehr schöne Textur. Ich merke immer deutlicher, dass es mir noch immer sehr darum zu tun ist, eine Qualität im Stofflichen zu erreichen. Die Textur der Zeichnung fühlt sich ganz unterschiedlich an und schafft die Atmosphäre der Zeichnung. Stift und Strichart, vor allem aber der Bewegungsduktus einschließlich der Geschwindigkeit scheinen dafür verantwortlich zu sein. Ich frage mich, wie fest soll diese Textur gefügt sein?

Wie ergeht es Dir mit der Geschlossenheit der Form überhaupt? Ich meine im Vergleich zu den offenen Formen, die in der weißen Umgebung drinnen lagen?

Ich empfinde bei dieser Deiner letzten Zeichnung ein voluminöses Weiß… erstaunlich! Als ob es nach vorne quillt – das hat mich sehr in Staunen versetzt, denn es sind ja die unberührten Stellen! Aber sie haben eine Dynamik in sich.

14.12.16, 09:48:21: Emanuela: Falls es gelingt, diese Zeichnungen sinnvoll fortzusetzen, könnten wir unsere Prozesse als zwei parallele Wege darstellen: Fotoreihen in Kleinformat und eine Synthese der wichtigsten Gedanken dazu… das war mein spontaner Einfall.

16.12.16, 08:53:16: Emanuela: Liebe Heike, Gestern habe ich noch eine weitere Vorgehensweise versucht, nämlich zwei unterschiedliche Formtendenzen zusammen in ein Spiel zu bringen. (Das war kein Plan.) Das Ergebnis ist richtig schlimm; Aber umso deutlicher wurde mir, dass der Weg in eine andere Richtung gehen soll – viel FREIHEITLICHER!

20.12.16, 01:17:38: Emanuela: Ich finde unsere Experimente sehr wichtig und sehe es als Beginn einer längeren Phase, die wir im Januar fortsetzen. Ich möchte gerne deutlich größer werden (ohne gröber zu zeichnen) und bin so gespannt was die große Zeitspanne macht; statt 3-5 Std, an einer Zeichnung 20-30 Std zu arbeiten… Mir scheint es gibt vier Pfeiler, auf denen die Kunst ruht:

Stoff & Form; Zeit & Raum!

Habe mir zwei Bücher von Günter Figal bestellt. Im Buch „Kunst“ gibt es z.B. ein Kapitel: „Rhythmus als Ordnung der Bewegtheit. Platon und Nietzsche über Musik.“ Klingt interessant, nicht? Oder: „Absolut modern. Zu Adornos Verständnis von Freiheit und Kunst.“

23.12.16, 11:08:33: Heike Nowotnik: …hab heute schon gezeichnet im Cafe:)

23.12.16, 11:19:28: Emanuela: Sehr gut! Zeig?

30.12.16, 18:41:54: Heike Nowotnik: <‎Bilder weggelassen>

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