Verläufe Assenza

FORM Nº 15, Kugelschreiber auf Fotokarton, 15,7 x 21,5 cm

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In dieser Zeichnung habe ich einen starken Moment von Begegnung zweier Formen erlebt (die linke und mittlere Form). Der Prozess der Annäherung zwischen beiden vollzog sich sehr langsam und erlebnismäßig intensiv. Die linke Form geht stärker auf die Mittlere zu als umgekehrt. Beide erscheinen als geballte Formen, die Berührung ist aber dennoch sehr zart. Die dritte Form (ganz rechts) stützt die Zweite und wendet sich gleichzeitig nach rechts, als ob sie weitergehen wollte. Das Ereignishafte, Narrative drückt sich sowohl im Begegnen, als auch im Verlauf (von links nach rechts) aus.

Die Textur ist sehr dicht und enthält Spuren des Prozesses, insbesondere stark betonte einstige Konturbildungen. Diese zeigen das Suchen, ja vielleicht auch die Momente des Unvollkommenen und des Irrens in der Formbildung und durchziehen die Formen wie Sehnen (Muskeln); Diese scheinen eine Spannung in der Fläche und einen Zusammenhalt zu erzeugen. (Diese Beobachtungen sind anhand des Fotos nicht nachvollziehbar.)

Die Textur bildet eine geschlossene Oberfläche, als ob sie verschwiegen wäre oder etwas verbergen würde. Die geballte und auch geheimnisvolle Kraft der Formen gewinnt an der Kontur (Außenränder der Form) im Kontrast zum Weiß eine besondere Intensität. Die Kontur wirkt nicht in der gleichen Art geschlossen wie die Oberfläche dies tut. Vielmehr scheint in der Kontur ein langsam fließender Fluss hindurchzufließen, wie ein letzter Rest all der Bewegung, die während des Zeichnens stattgefunden hat – Bewegungen, die in die Fläche hineingearbeitet wurden, bzw. durch welche die Fläche überhaupt zur Fläche wurde. Außerdem ist die Kontur der Ort, an dem die Aussage nach außen strahlt – der Ort des Ausdrückens. Das Schwarz wirkt insgesamt warm, bräunlich, aber an der Kontur mischt es sich optisch mit dem Weiß und erzeugt etwas Leuchtendes.

 

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Form Nº23, Kugelschreiber auf Fotokarton, 21,5×15,7cm

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Formfindung hängt außerdem davon ab, ob eine Hierarchie innerhalb der Ordnung der Formen besteht, ob sich einzelne Partien bedeutungsvoll hervorheben und ob keine Form der anderen in der Bedeutung (und im Gesamtzusammenhang) überlegen ist. Oft, so beobachte ich an mir, strebe ich unterschwellig nach einer Ebenbürtigkeit der Formen, als ob mir das Prinzip „Gemeinschaft“ lieber ist als das der Vormachtstellung – in einer Zeichnung ebenso wie in der Gesellschaft. Kann man von einer Demokratisierung der Formen sprechen?

Wie ungeduldig bin ich bei der Bildung der Textur, vor lauter Erwartung der Formentstehung? Es ist leichter, innerhalb des Tuns geduldig zu sein. Ungeduld ist kaum bezwingbar im Nichts-Tun-Können.“

 

Form Nº 25, Kugelschreiber auf Fotokarton, 15,7 x 21,5 cm

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Es gibt zwar keine Tabu´s der Form, denn jede Form ist möglich. Dennoch gibt es unerträgliche Formen, nämlich solche, die dem individuellen Formempfinden zuwiderlaufen. Je mehr sich dieses Befremden einstellt, desto größer wird der Suchgestus, der sich daran entzündet: ein Wille des Umgestaltens, eine Sehnsucht nach dem Formereignis, das die innerlich empfundene Form-Notwendigkeit stillt, wie Durst gestillt wird.

 

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